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Entscheidungen | Um- und Ausbau des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum | Marte.Marte Architekten ZT GmbH, Feldkirch

Marte.Marte Architekten ZT GmbH, Feldkirch

1. Rang, Gewinner, 1. Preis, Preisgeld EUR 38.000,-

Kennnummer: 17
Mitarbeiter: Sigrid Vollert-Achatz
Romi Schnitzler
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Modellbild, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte


Modellbild 1 nach Überarbeitung, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte


Modellbild 2 nach Überarbeitung, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte


Modellbild 3 nach Überarbeitung, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte



Plan, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte (pdf, 15MB)
Plan nach Überarbeitung, Tiroler Landesmuseum, Marte, Marte (pdf, 5MB)

Bewertung des Preisgerichts:

Der Entwurf reagiert auf die komplexe Aufgabenstellung mit einer einfachen Grundidee und erweitert den klassizistischen Bestandsbau Richtung Norden durch Ausbildung eines analog zum bestehenden Ostflügel konzipierten Westflügels. Der zwischen den beiden Flügeln entstehende Zwischenraum wird durch einen bündig mit den beiden Flügeln ausgebildeten erdgeschossigen Verbindungsbau samt einem darüber liegenden zurückversetzten viergeschossigen Volumen besetzt. Bestandsbau und Erweiterungsbau bilden eine kompakte Gesamtfigur, welche durch das Ausbilden einer Fuge zwischen Verwaltungs- und Erweiterungsbau im Bereich der Prof.-Franz-Mair-Gasse solitären Charakter erhält. Dabei werden Höhe und Art des äußeren Erscheinungsbildes als Massivbau im Erweiterungsbau übernommen, eine aufgesetzte Laterne mit Veranstaltungsfunktionen interpretiert quaderförmig das Thema der kuppelartigen Dachaufbauten. Das Projekt überzeugt durch seine grundsätzliche Haltung sowie durch seine städtebauliche Konzeption und außenräumliche Wahrnehmung. Die klare Haltung wird im Gebäudeinneren fortgesetzt und entwickelt aus der Bestandsstruktur eine einfache aber eindrucksvolle Grundrissfigur mit hohen architektonischen und funktionellen Qualitäten. Das strukturelle System im Neubau wird mit einer tangential zur bestehenden Rotunde geführten großzügigen Treppenanlage sowie zwei Erschließungskernen mit Fluchttreppen samt Liftsituationen bestimmt, welche durch ihre geschickte Positionierung räumlich fließende und kuratorisch gut bespielbare Ausstellungsbereiche generieren. Die tangential zur Rotunde verlaufende Treppenanlage löst die geometrische Herausforderung des Rundelementes im Ausstellungsbereich meisterhaft spielerisch und schafft gleichzeitig einen großen räumlichen Mehrwert. Positiv bewertet werden weiter der prinzipielle Umgang mit dem Bestand und die Behandlung der Rotunde als Ausstellungsfläche, ebenfalls die Fortführung des massiven Baukörpers in der Erweiterung samt aufgesetzter „Laterne“ mit Veranstaltungsfunktionen und guten Orientierungen in die nähere und weitere Umgebung. Die Jury würdigt das Bestreben der Projektverfasser durch eine kompakte und logistisch optimierte Konzeption eine hohe Wirtschaftlichkeit in Errichtung und Betrieb erwarten zu lassen. Kritisiert werden in diesem Zusammenhang die zu knapp bemessenen Abschnitte im Veranstaltungsfoyer und die etwas zu unproportionierte Ausbildung des Saales. Die Rampenlösung als barrierefreier Zugang zum Haupteingang wird kontrovers diskutiert, alternativ zur dargestellten Rampe wird die Darstellung einer mechanischen Lösung etwa in Form eines Hubpodestes im Bereich des rechten Treppenlaufs auf das Hauptpodest der Außentreppe (analog Rampenlösung) erwartet. Im Bereich des Cafés wird ein Ausgang ins Freie (Paul-Hofhaimer-Gasse) erwartet, um entsprechend der Bestandssituation eine Anbindung eines gastronomisch nutzbaren Außenbereiches zu ermöglichen. Dabei kann das Café auch geringfügig verkleinert werden (vgl. Raumprogramm). Das Ergebnis der Vorprüfung ergibt ein deutliches Unterschreiten der geforderten Flächen im Bereich der Ausstellung. In diesem Zusammenhang wurde in der Jury diskutiert, dass das Einrücken der nördlichen Baukörperkante zwar konzeptionell nachvollziehbar ist, jedoch architektonisch nicht zwingend erforderlich erscheint und sich hier ein Potential für die zu kompensierenden Ausstellungsflächen ergeben könnte. Das gezielte Abrücken des Neubaus zum Verwaltungsgebäude verhindert in der vorliegenden eingeschossigen Brückenlösung eine barrierefreie Erschließung der oberen Geschoße. Es wird ein Lösungsansatz erwartet, welcher
dieses Defizit korrigiert (inklusive etwaiger Kostenkonsequenzen im Bestandsbau Verwaltung). Die Darstellung der Fassadenausbildung wirkt grafisch bedingt etwas schematisch und lässt das atmosphärische Zusammenspiel zwischen Bestandsoberflächen und Neubauteilen nicht wirklich erkennen. Um der Jury eine bessere Beurteilungsgrundlage für die Gestaltung der Fassade zu bieten wird empfohlen die beabsichtigte Materialisierung samt Oberflächengestaltung zu schärfen und detaillierter dargestellte Aussagen zu machen. Darüber hinaus erwartet sich die Jury eine Erläuterung bzw. Stellungnahme zum gewählten Adlermotiv an der Nordfassade. Insgesamt wird auch angemerkt, dass die grafische Darstellung zwar ansprechend ist, jedoch auch in diesem Bereich einen gewissen höheren Detaillierungsgrad vermisst.

Jurysitzung 14.06.2021:
Die vorliegende Überarbeitung des Projektes berücksichtigt die wesentlichen Kritikpunkte aus der ersten Stufe: die Rampe beim Haupteingangsbereich wurde zugunsten eines Hubpodestes entfernt; das Saalgeschoss wurde in konzeptioneller Hinsicht komplett überarbeitet; die Ausstellungsflächen
entsprechen den Vorgaben lt. Raumprogramm; die Aussage zur beabsichtigten
Materialisierung samt Oberflächengestaltung wurde geschärft und detaillierter erläutert. Nach eingehender und teilweise auch kontroverser Diskussion innerhalb der Jury wird das Projekt in seiner Gesamtkonzeption als bester Beitrag gesehen. Der Entwurf überzeugt in vielfacher Hinsicht und lässt ein herausragendes Bauwerk und damit eine gelungene Neupositionierung des
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erwarten. Einige Aspekte des Projektes werden seitens der Jury aber noch hinterfragt und sind in der weiteren Ausarbeitung zu vertiefen und zu lösen.

In der weiteren Bearbeitung sind folgende Punkte zwingend zu überarbeiten:
- Die Eingangssituation sollte offener gestaltet werden, der Kassabereich soll aus Nutzersicht nicht definitiv in der Rotunde verortet werden. Die genauen Abläufe und Funktionsverortungen sind mit dem Nutzer abzustimmen.
- Die städtebauliche Konzeption des Solitärbaus und das Loslösen des Hauptbaus vom Verwaltungsbau erfordern eine neue barrierefreie Erschließung für die Verwaltung, welche jedoch ohne Verlust von Büroflächen zu konzipieren ist und kostentechnisch im Gesamtbudget abzubilden ist.
- In diesem Zusammenhang erscheint die gestalterische Ausbildung der
Südwestecke des Verwaltungsbaus von essentieller Wichtigkeit. Diese Aussage ist zu präzisieren.
- Ein direkter Anschluss des Skulpturengartens an die Ausstellungsfläche erscheint klimatechnisch nicht ausführbar. Hier ist eine Klimaschleuse auszubilden, eventuell durch Verbinden der beiden Hauptpodeste der Treppen.
- Ausbilden einer Torsituation im Bereich Zufahrt Innenhof.
- Klarere Herausbildung eines großen Lesesaales der Bibliothek.
- Die Raumbeziehung zwischen Küche und Foyer im Bereich Saalgeschoss ist zu verbessern, möglicherweise durch Verbreiterung des Saalkörpers Richtung Süden.
- Die Möglichkeit als Besucherattraktion einen ergänzenden Freibereich in Form einer Terrasse westlich des Saalkörpers auszubilden soll geprüft werden.
- Der Saalkörper muss fassadentechnisch in Bezug auf Nachhaltigkeit und zeitgemäßen energetischen Ansprüchen vertieft ausformuliert werden.

Werkliste der Planer:

Marte.Marte Architekten ZT GmbH, Feldkirch

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Ausschreibung Phase 1 Tiroler Landesmuseum (pdf, 359KB)
Ausschreibung Phase 2 Tiroler Landesmuseum (pdf, 461KB)
Ausschreibung B-Teil Phase 2 Tiroler Landesmuseum (pdf, 250KB)
Juryprotokoll 09.03.2021, 10.03.2021 Tiroler Landesmuseum (pdf, 12MB)
Juryprotokoll 14.06.2021 Tiroler Landesmuseum (pdf, 5MB)
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